Nur noch bis 13.12.: Fiery Greetings

In der Lothringer_13, einem der fünf städtischen Kunsträume, geht dieses Wochenende eine nachdenklich machende Ausstellung zu Ende: Fiery Greetings.

Ausgangspunkt dieses Projektes sind zahlreiche Fotoalben und Begleitbriefe, welche dem damaligen Präsidenten Jugoslawiens Tito von Schulen und Kinderorganisationen ab 1945 bis zu seinem Tod im Jahr 1980 zugesandt wurden. Aus diesen Geschenken stammt auch der titelgebende flammende Gruss, die Fiery Greetings.

Flammend und in der Leidenschaft entfacht, eine bessere Welt zu erschaffen. Eine Welt, in der Ethnie und Religion nicht mehr über den Menschen stehen sollte. Eine Welt, in der alle als Brüder (und Schwestern) vereint für den Aufbau einer besseren Zukunft leben. Tito wusste, dass im Gegensatz zur Ideologie der Sowjetunion diese Ziele nicht per Dekret von heute auf morgen umsetzbar waren. Er wusste, dass dies eine Aufgabe für Generationen war.

20151211_160111Deshalb sind diese eingangs erwähnten Fotoalben mit deren Begleitschreiben Dokumentationen eines sanfteren Aufbruches nach Utopia, deren Früchte die Initiatoren nicht mehr erleben würden. Doch wenn die Saat und die Gedanken an Brüderlichkeit und Einheit des jugoslawischen Volkes fruchten, ensteht in Zukunft eine Ordnung, welche die Trennung in bosnische Muslime, katholische Kroaten, orthodoxe Serben und andere Volksgruppen aufhebt.

Wegen dieses (realistischen) Ansatzes wird der Sozialismus auch als Realsozialismus bezeichnet. Mit dem Tode Titos 1980 endete diese Ära nicht abrupt sondern währte noch ungefähr 10 Jahre, bevor alles sich Anfang der 1990er-Jahre im längsten Krieg Europas seit dem Ende des 2. Weltkrieges entlud. Nationalistische Tendenzen obsiegten über Utopia und heute ist jeder Nachfolgestaat des ehemaligen Jugoslawien bemüht diese Zeit des “Titoismus” zu negieren und auszublenden.

Doch wie schwer muss es für Menschen sein, die wirklich an die Möglichkeit einer besseren Welt geglaubt und tagtäglich auf diese Zukunft hingearbeitet und -gestrebt sind? Deren Ideale ins Lächerliche gezogen werden? Deren Träume in den Schmutz getreten werden? Warum muss unsere Welt heute so kapitalistisch sein? Warum wird Sozialismus immer nur schlecht gemacht? Warum ist es nicht mehr opportun hehre Ziele zu haben?

20151211_155644In einem der zahlreichen Kurzfilmbeiträge wird diese Thematik aufgegriffen. 30 Jahre nachdem die damalige Jugendorganisation des Ortes ein Naturmahnmal auf einem Berg errichtet hatte lassen Dutzende, gealterte Männer nun an derselben Stelle ein neues entstehen. Sie diskutieren, ob und was sie in das zu schaffende Quadrat setzen wollen: ein rein serbisches Symbol oder doch auch andere. Doch letzten Endes obsiegt die Idee, es leer zu lassen.

Mögen es andere füllen, mit all den Motiven, die diese wollen. Es wird genug Platz für alle sein.

Was: Ausstellung “Fiery Greetings”

Wann: noch bis 13.12. von 11 bis 20 Uhr

Wo: Lothringer Straße 13, 81667 München

Lokation auf Google Maps: lothringer_13

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